Abschluss Enquete Ehrenamt – Grüne: Ehrenamt und Freiwilligenarbeit dauerhaft fördern

Darum geht‘s

Die Grüne Landtagsfraktion fordert, Ehrenamt und Freiwilligenarbeit in Niedersachsen dauerhaft als strategische Förderaufgabe des Landes zu verankern und finanziell besser abzusichern. Besonderen Unterstützungsbedarf sieht die Fraktion beim wachsenden Anteil vorübergehenden, oftmals auch kurzfristigen (so genannten fluiden) Engagements für einzelne Projekte wie aktuell in der Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine.

Das sagen die Grünen

Volker Bajus, sozialpolitischer Sprecher und Mitglied der Enquete-Kommission Ehrenamt

„Ehrenamt und Freiwilligenarbeit sind wichtige Grundpfeiler für Demokratie und sozialen Zusammenhalt. Ohne diese Arbeit würde in unserem Alltag vieles schlechter laufen. Doch wir müssen leider feststellen: Das Land lobt diese Arbeit gern, leistet aber dafür zu wenig Unterstützung. Denn Ehrenamt und freiwilliges Engagement haben sich in den letzten Jahren stark verändert. In vielen Vereinen wird es immer schwieriger, wichtige Aufgaben wahrzunehmen. Gleichzeitig setzen sich immer mehr Menschen spontan und zeitlich befristet für andere ein. Wir erleben gerade die immense Hilfsbereitschaft für Geflüchtete aus der Ukraine.

Für beides braucht es jedoch mehr hauptamtliche Unterstützung durch das Land. Die Förderung von Ehrenamt und Engagement muss deshalb künftig eine Daueraufgabe der Landesregierung werden. Wenn wir es seitens der Politik ernst meinen mit dem Lob für die Freiwilligenarbeit, heißt das auch, künftig mehr Geld für in die Hand zu nehmen.

Gerade das kurzfristig entstehende projektorientierte Engagement wie in der Ukraine-Hilfe braucht Koordination und Management. Wir möchten diese engagierten Menschen besser unterstützen und ihr Engagement erleichtern. Dafür gibt es mit den Freiwilligenagenturen vielerorts schon sinnvolle Einrichtungen, aber leider nicht flächendeckend. Sie sind zudem häufig nur unsicher finanziert. Das muss sich ändern.

Es braucht gerade für Krisen und den Katastrophenschutz vermehrt hauptamtliche Kräfte, die freiwillige Helfer*innen koordinieren. Gut gemeinte, aber fehl geleitete Hilfe muss durch gezielte Steuerung vermieden und in die richtige Richtung gelenkt werden.

Es ist daher überfällig, dass die Landesregierung ihre Aktivitäten in einer zentralen Koordinierungsstelle bündelt. Mit einer Engagement-Strategie soll die Aufgabe dauerhaft verankert werden. Eine wichtige Herausforderung wird dabei sein, Frauen im Ehrenamt sichtbarer zu machen und mehr Jüngere sowie Menschen mit Migrationsgeschichte für die Freiwilligenarbeit zu gewinnen.“

Hintergrund

Mitten im Corona-Sommer 2020 wurde die Enquetekommission „Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement verbessern“ vom Landtag eingesetzt. Sie besteht 10 Vertreter*innen von Verbänden, Organisationen und der Wissenschaft sowie 14 Abgeordneten des Landtags. Die 24-köpfige Kommission beschäftigte sich mit Maßnahmen zur Stärkung des freiwilligen Engagements, Lösungsvorschlägen zur Verbesserung der Sichtbarkeit von Frauen und der Nachwuchsgewinnung sowie mit der Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt. Dabei lag ein besonderer Schwerpunkt auf der Wahrnehmung des kommunalen Mandats.

Während der eineinhalb Jahre dauernden Arbeit wurden 94 Sachverständige angehört, darunter über 60 Vertreter*innen von Verbänden, Vereinen und Initiativen. Außerdem wurde eine Online-Umfrage durchgeführt, um die Anliegen möglichst vieler freiwillig Engagierter in Niedersachsen zu hören.

Niedersachsen liegt im Vergleich mit den anderen Bundesländern im Mittelfeld, was das ehrenamtliche Engagement betrifft. 39,4 Prozent der Befragten aus Niedersachsen gaben im Freiwilligensurvey 2019 an, ehrenamtlich engagiert zu sein. Die grundsätzliche Bereitschaft für ein Engagement lag aber mit 60,2 Prozent weit darüber. Gerade angesichts des nicht ausgeschöpften Potentials und der Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements ist die Sicherstellung guter Rahmenbedingungen und eine Förderung der Freiwilligenarbeit eine wichtige Aufgabe der Politik.

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